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RÜCKBLICK:  ausZEIT-Gottesdienst am 6. März 2016
„Vom Fremdsein“ war das Thema des ausZEIT-Gottesdienstes am vergangenen Sonntag. Die zahlreichen Besucher/innen wurden zum Hintereingang durch die Sakristei geleitet – das „Fremde“ sollte erlebt werden, Irritation und Unsicherheit erzeugt werden. Auch die Begrüßung in vier Sprachen (kroatisch, portugiesisch, arabisch und deutsch) sorgte für Verfremdung. Ein Klangteppich mit „Fremd“wörtern sowie ein Karl-Valentin-und-Liesl- Karlstadt-Dialog führten zum Thema hin. Im Zentrum stand die Bildbetrachtung zum eindrucksvollen Sieger-Köder-Bild: „Werke der Barmherzigkeit“, passend zu den Jesusworten aus Matthäus 25: „Ich bin hungrig gewesen und ihr habt mich gespeist; ich bin durstig gewesen und ihr habt mich getränkt; ich bin ein Fremdling gewesen und ihr habt mich beherbergt; ich bin nackt gewesen und ihr habt mich bekleidet; ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht, ich bin gefangen gewesen und ihr seid zu mir gekommen. … Was ihr getan habt einem dieser meinen geringsten Brüder, das habt ihr mir getan.“ 

Wo niemand weniger hat, weil es die Flüchtlinge gibt, geht die Angst um.
Dumpfe Parolen finden ihre Wege in die Köpfe der besorgten Bürger. Offen
sprechen manche vom Schießbefehl. Nur um das gleich wieder zu relativieren.
Auf Kinder wolle man nicht zielen, aber auf Mütter schon. - Klingt jetzt
auch nicht viel besser! - … Ängste schüren und andere Menschen verunglimpfen.
Das hat mit Christentum nichts zu tun. Solche Feindseligkeit und solcher Hass,
der in zu vielen Teilen der Bevölkerung in unserem Land gegenüber Flüchtlingen
geäußert wird, erschrecken mich und machen mich traurig. „Seid so unter euch
gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht!“
(Philipper 2,5)
Dieser Satz aus dem heutigen Predigttext gibt die richtige Richtung an.

Als Christ fühle ich mich daher in der Pflicht, mich für notleidende Menschen
einzusetzen, so gut mir das möglich ist mit allen Fehlern und Schwächen, die
ich habe. Und Ihnen geht das sicher auch so. Dafür und für alle, die das tun
bin ich sehr dankbar. Und das ist so, weil ich mir meinen Gott anschaue, der
am Kreuz hängt, der sich nicht herausgehalten hat.

Gott zieht sich nicht zurück vom Elend der Welt und sagt: „Das geht mich nichts
an. Ich will nichts damit zu tun haben.“ Gott sagt nicht: „Ich baue einen Zaun
und noch einen und noch einen größeren und überlasse die Menschen ihrem Schicksal.
Sollen sie doch sehen, wo sie bleiben.“ Stattdessen sagt Gott: „Ich werde Mensch.
Ich überlasse euch nicht eurem Schicksal. Ich mische mich ein, indem ich mitmische
und mein Leben einsetze. Mit Haut und Haaren, mit Schmerzen, mit Schweiß, Blut und
Tränen. Mit allem was dazu gehört.“
 
Gegen die Enthemmung im Miteinander setzt Gott auf den Dienst füreinander, das
Mitgefühl und die Barmherzigkeit. Er will, dass er und seine Botschaft auch ganz
unten ankommen. Gott schließt so die Gräben, die andere aufreißen. Dadurch können
Wege zueinander und miteinander gefunden werden zu einer friedlichen und gerechten
Gesellschaft. Darum: „Seid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in
Christus Jesus entspricht!“

 



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